Die Vorwärtsdifferenz liefert eine Näherung für die rechtsseitige Ableitung, die Rückwärtsdifferenz für die linksseitige. Für differenzierbares f stimmen links- und rechtsseitige Ableitung überein. Um sich nicht zwischen beiden Varianten entscheiden zu müssen, kann man auch den Mittelwert beider Varianten nutzen:
Zentraler Differenzenquotient: Zu vorgegebener Schrittweite h>0 berechne
Kann f nur an vorgegebenen Stellen ausgewertet werden, z.B. f nur an endlich vielen Stellen durch Messungen gegeben ist, so müssen x0 und h bei Vorwärts- und Rückwärtsdifferenz so gewählt werden, dass f an x0 und x0+h bzw. x0−h ausgewertet werden kann.
Bei der zentralen Differenz ist x0 hingegen frei wählbar, aber x0+h und x0−h müssen die Auswertung von f erlauben. Zu diesem Zweck können auch zwei verschiedene h gewählt werden:
Zu vorgegebenen Schrittweiten h+>0 und h−>0 berechne
Auch in diesem Fall kann die zentrale Differenz als (gewichteter) Mittelwert aus entsprechender Vorwärts- und Rückwärtsdifferenz interpretiert werden (IDVID 315).
(IDVID 330). Bei den einseitigen Differenzen halbiert sich der Approximationsfehler also, wenn die Schrittweite halbiert wird. Bei der zentralen Differenz sinkt der Fehler auf ein Viertel bei Halbieren der Schrittweite, sofern f glatt genug ist.
Man kann die lokalen Aussagen für den Approximationsfehler zu globalen Aussagen erweitern:
Daraus sieht man sofort, dass
die einseitigen Differenzen exakte Ableitungswerte für lineare Funktionen liefern,
die zentrale Differenz exakte Werte für lineare und quadratische Funktionen liefert.
Näherungswerte für höhere Ableitungen kann man leicht durch mehrfaches Anwenden der Differenzenquotienten für die erste Ableitung erhalten. Eine übliche Approximation für die zweite Ableitung ist
Aus der Fehlerabschätzung sieht man sofort, dass D2(x0,h) für Polynome dritten Grades exakte Werte liefert.
Falls f nur dreimal stetig differenzierbar ist, erhält man nur einen Approximationsfehler der Ordnung 1. Ist f mehr als viermal stetig differenzierbar, folgt trotzdem nur quadratische Ordnung für den Approximationsfehler (Analoges gilt für die Approximation der ersten Ableitung).