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Abbildungen sind neben Mengen das wichtigste sprachliche Mittel in der Mathematik. Oft interessieren weniger die Objekte (z.B. Zahlen) selbst, sondern deren Beziehungen zueinander. Eine Analogie im täglichen Leben ist die Bedeutung von Daten in “sozialen” Netzwerken und Messenger-Diensten. Es ist kaum von Interesse was jemand schreibt oder sagt, sondern vor allem wer mit wem kommuniziert. Entsprechend stehen nicht die (meist zumindest oberflächlich verschlüsselten) Inhalte im Fokus von Überwachungsorganisationen und Datenhändlern, sondern die Metadaten, also wer wann mit wem kommuniziert hat.

4.2.1Begriffe und Beispiele

Abbildungen treten in ganz verschiedenen Varianten auf. Weiter unten betrachten wir einige wichtige Spezialfälle; hier zunächst eine buntere Beispielsammlung.

Wichtig: Gewöhnen Sie sich von Anfang an an Flexibiliät bei der Wahl von Symbolen. Eine Abbildung muss keineswegs immer ff heißen!

Zur Beschreibung grundlegender Eigenschaften von Abbildungen führen wir folgende Begriffe ein.

Beachte, dass Surjektivität von der Wahl der Grundmenge BB abhängt. Bei gleichem Wertebereich kann BB unterschiedlich aussehen. So ist beispielsweise die Abbildung f:RRf:\bbR\to\bbR, xx2x\mapsto x^2 nicht surjektiv, die Abbildung g:R[0,)g:\bbR\to[0,\infty), xx2x\mapsto x^2 hingegen schon.

Zu den obigen drei Beispielen:

Die Frage nach Injektivität und Surjektivität kann auch anhand der Lösbarkeit von Gleichungen beschrieben werden: Ist f:XYf:X\to Y eine beliebige Abbildung und ist yYy\in Y, so können wir nach Lösbarkeit und Lösungen xXx\in X der Gleichung

f(x)=yf(x)=y

fragen. Offensichtlich besitzt die Gleichung genau dann für jedes yYy\in Y eine Lösung, wenn ff surjektiv ist. Außerdem ist für yy aus dem Wertebereich von ff die Lösung genau dann eindeutig, wenn ff injektiv ist.

Folgender Begriff taucht gelegentlich auf, lierfert aber inhaltlich keine neuen Aspekte. Er ist ein Beispiel für Begriffe, die rein zur sprachlichen Vereinfachung bzw. Fixierung dienen.

In die gleiche Rubrik fällt der folgende Begriff:

4.2.2Spezialfall: Punkte und Vektoren

Sei nNn\in\bbN eine feste gegebene Zahl (oft n=2n=2 oder n=3n=3). Ein Punkt ist eine nn-Tupel aus nn reellen Zahlen. 2-Tupel sind auch als Paare bekannt, 3-Tupel als Tripel, 4-Tupel als Quadrupel usw. Alternativ kann man einen Punkt als Abbildung der Menge {1,2,,n}\{1,2,\ldots,n\} in die reellen Zahlen ansehen. Die nn Bildelemente einer solchen Abbildung nennt man Koordinaten des Punktes. Statt der Klammerschreibweise für das Auswerten einer Abbildung nutzt man hier einfache Auflistungen der Koordinaten. So entspricht die Auflistung (7,4,5)(7,4,5) beispielsweise der Abbildung

17,,24,35.1\mapsto 7,\quad, 2\mapsto 4,\quad 3\mapsto 5.

Die Menge aller Punkte zu einem festen nn wird mit dem Symbol Rn\bbR^n bezeichnet. So umfasst R2\bbR^2 beispielsweise alle Punkte mit zwei Koordinaten. R2\bbR^2 wird auch als “die Ebene” und R3\bbR^3 als “der Raum” bezeichnet.

Das Wort Vektor ist aus technischer Sicht ein Synonym für Punkt, meint also ein Element aus Rn\bbR^n. Man unterscheidet die Elemente von Rn\bbR^n jedoch gelegentlich nach deren Verwendung. Soll durch ein Element aus Rn\bbR^n ein geometrischer Ort beschrieben werden (“Punkt im Koordinatensystem”), so verwendet man den Begriff Punkt. Soll jedoch eine Richtung beschrieben werden, so spricht man von einem Vektor. Während Punkte, wie oben eingeführt, als richtungslose Auflistung (a1,,an)(a_1,\ldots,a_n) ihrer Koordinaten geschrieben werden, werden Vektoren meist als vertikale Listen

[a1an]oder(a1an){\begin{bmatrix}a_1\\\vdots\\a_n\end{bmatrix}}\quad\text{oder}\quad{\begin{pmatrix}a_1\\\vdots\\a_n\end{pmatrix}}

ihrer Koordinaten dargestellt. Bei Vektoren spricht man statt von Koordinaten auch von den Komponenten des Vektors.

Die Arbeit mit Punkten und Vektoren wird später detaillierter betrachtet.

4.2.3Spezialfall: Zahlenfolgen

Eine Abbildung, die jeder natürlichen Zahl eine reelle Zahl zuordnet, heißt Zahlenfolge. Man weicht hier aus Gewohnheit und aus Gründen der Platzeinsparung von der üblichen Schreibweise für das Auswerten von Abbildungen ab: Ist a:NRa:\bbN\to\bbR eine Zahlenfolge, so setzt man

an:=a(n)fu¨r alle nN.a_n:=a(n)\quad\text{für alle $n\in\bbN$}.

Man schreibt auch gern a=(a1,a2,)a=(a_1,a_2,\ldots) im Sinne eines Punktes (oder Vektors) mit unendlich vielen Koordinaten oder a=(an)nNa=(a_n)_{n\in\bbN}.

Gelegentlich treten in der Mathematik doppelt unendliche Zahlenfolgen auf, insbesondere in der Signalverarbeitung. Dies sind Abbildungen a:ZRa:\bbZ\to\bbR, die auch negative Indizes nutzen, also nach beiden Richtungen laufende Folgen darstellen. In dieser Veranstaltung werden wir solchen Folgen jedoch nicht begegnen.

Zahlenfolgen werden wir in Kürze noch näher betrachten.

4.2.4Spezialfall: Funktionen

Bezeichnen Abbildungen zwischen Teilmengen der reellen Zahlen oder Mengen von aus endlich vielen reellen Zahlen zusammengesetzten Objekten (Punkte, Vektoren, Matrizen,...) als Funktion. Dabei soll der Definitionsbereich nicht nur aus einzelnen Zahlen, Punkten usw. bestehen, sondern den kontinuierlichen Charakter der reellen Zahlen tragen. Beispielsweise sind Zahlenfolgen in diesem Sinne also keine Funktionen.

Gelegentlich werden die Begriffe Abbildung und Funktion synonym verwendet; verstehen in dieser Veranstaltung unter Funktionen jedoch nur zahlenbezogene und keine allgemeinen Abbildungen.

Funktionen spielen eine sehr wesentliche Rolle in der angewandten Mathematik, sodass wir ihnen ein eigenes Unterkapitel widmen werden.

4.2.5Spezialfall: Allgemeine Folgen

Neben Zahlenfolgen ist gelegentlich auch die Betrachtung anderer Folgen zweckmäßig. Zum Beispiel werden wir im Laufe der Zeit mit Folgen von Punkten in der Ebene arbeiten (müssen). Dies sind dann Abbildungen von N\bbN nach R2\bbR^2. Auch Folgen von Funktionen spielen in der Mathematik und ihren Anwendungen eine wichtige Rolle; jedoch weniger in der Grundlagenausbildung. Wenn wir uns im Laufe des Semesters mit dem Begriff des Flächeninhalts befassen, werden wir auf Folgen von Mengen stoßen, wobei jede dieser Mengen wiederum eine Ansammlung von Mengen sein wird. Folgen, also Abbildung der natürlichen Zahlen in andere Mengen, sind überall...