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Vor der flächendeckenden Einführung des Computers mussten Ableitungen per Hand berechnet werden. Entsprechend umfangreich und weit entwickelt sind die Verfahren dazu. Wir werden hier nur einen Überblick über das prinzipielle Vorgehen geben und, da heute deutlich relevanter, das Differenzieren mit dem Computer betrachten.

6.2.1Manuelles Differenzieren

Der Weg über die Definition der Ableitung einer Funktion als Grenzwert ist recht mühsam für den praktischen Einsatz. Analog zur Berechnung von Grenzwerten bei Zahlenfolgen und Funktionen entnimmt man deshalb die Ableitungen einiger Grundfunktionen aus Tabellen und kombiniert diese dann anhand verschiedener Ableitungsregeln zu Ableitungen komplexerer Funktionen. Zunächst die Ableitungen einiger immer wieder auftretender Funktionen (gültig für alle xx, für die ff und ff' sinnvolle Werte liefern):

f(x)=xc,  cRf(x)=cxc1,f(x)=x^c,\;c\in\bbR\quad\Rightarrow\quad f'(x)=c\,x^{c-1},

f(x)=cosxf(x)=sinx,f(x)=\cos x\quad\Rightarrow\quad f'(x)=-\sin x,

f(x)=sinxf(x)=cosx,f(x)=\sin x\quad\Rightarrow\quad f'(x)=\cos x,

f(x)=exf(x)=ex,f(x)=\rme^x\quad\Rightarrow\quad f'(x)=\rme^x,

f(x)=lnxf(x)=1x.f(x)=\ln x\quad\Rightarrow\quad f'(x)=\frac{1}{x}.

Beachte, dass die Exponentialfunktion beim Ableiten unverändert bleibt! Dinge, die trotz des Anwendens irgendwelcher Operationen unverändert bleiben, spielen stets eine besondere Rolle. So taucht die Exponentialfunktion beispielsweise sehr oft in den Lösungen von Differentialgleichungen auf, spielt aber auch in der Wahrscheinlichkeitsrechnung eine wichtige Rolle.

Mittels folgender Ableitungsregeln, deren Gültigkeit wir hier nicht nachweisen, können Ableitungen komplexerer Funktionen auf Ableitungen einfacher Funktionen zurückgeführt werden.

6.2.2Ableitungen mit SymPy

Das Bilden von Ableitungen mit SymPy ist denkbar einfach:

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6.2.3Numerische Differentiation

Das numerische Differenzieren erfolgt direkt über die Definition der Ableitung:

f(x)=limx~xf(x~)f(x)x~x.f'(x)=\lim_{\tilde{x}\to x}\frac{f(\tilde{x})-f(x)}{\tilde{x}-x}.

Da man Grenzübergänge mit dem Computer nicht exakt umsetzen kann, wählt man x~\tilde{x} nah bei xx und betrachtet den zugehörigen Differenzenquotient als Näherung für die Ableitung. Für x~:=x+h\tilde{x}:=x+h mit einem fest (also unabhängig von xx) gewähltem, kleinen h>0h>0 erhält man also

f(x)f(x+h)f(x)h.f'(x)\approx\frac{f(x+h)-f(x)}{h}.

Diese Form der numerischen Differentiation bezeichnet man als Vorwärtsdifferenz. Da x~\tilde{x} auch kleiner als xx sein kann, ist

f(x)f(xh)f(x)h=f(x)f(xh)h.f'(x)\approx\frac{f(x-h)-f(x)}{-h}=\frac{f(x)-f(x-h)}{h}.

eine völlig gleichberechtigte, alternative Näherungsformel für die Ableitung (Rückwärtsdifferenz). Gibt es keinen Grund eine von beiden Varianten zu bevorzugen, so nutzt man gern deren Mittelwert:

f(x)12f(x+h)f(x)h+12f(x)f(xh)h=f(x+h)f(xh)2h{\begin{align} f'(x)&\approx\frac{1}{2}\,\frac{f(x+h)-f(x)}{h}+\frac{1}{2}\,\frac{f(x)-f(x-h)}{h}\\ &=\frac{f(x+h)-f(x-h)}{2\,h} \end{align}}

(zentrale Differenz).

Auf den ersten Blick wird die Näherung für f(x)f'(x) besser, je kleiner hh gewählt wird. Jedoch zeigt sich in der Praxis, dass zu kleines hh zu starken Oszillationen in der berechneten Näherung für ff' führen kann. Ursache ist, dass kleine Fehler in den (oft aus Messungen stammenden) Werten für ff durch das numerische Differenzieren verstärkt werden. Die Details dazu sind Thema der numerischen Mathematik und führen hier zu weit. Merke jedoch: Numerisches Differenzieren ist nur mit großer Vorsicht zu benutzen!

Source
<Figure size 800x800 with 2 Axes>

Im Bild sehen wir: Obwohl die verrauschten Funktionswerte kaum von den exakten Funktionswerten unterscheidbar sind, weichen die numerisch berechneten Ableitungen deutlich voneinander ab. Zum selbst ausprobieren: Erhöht man die Anzahl der Stützstellen, so wird die Abweichung der Ableitungen immer größer.