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Um einen ersten Eindruck von der Gestalt der Lösungen einer Differentialgleichung zu bekommen, kann diese grafisch gelöst werden. Dies ist möglich bei

Dabei ist die Arbeit mit 3d-Grafiken allerdings praktisch meist zu aufwendig und zu unübersichtlich.

6.4.1Idee

Liegt die zu lösende Differentialgleichung in expliziter Form

y=f(x,y)y'=f(x,y)

mit gegebenem f:R2Rf:\bbR^2\to\bbR vor, so kennt man an jedem Punkt (x,y(x))(x,y(x)) einer Lösung yy auch deren Anstieg, denn dieser ist gerade f(x,y(x))f(x,y(x)). Für jeden Punkt (x0,y0)(x_0,y_0) der Ebene kann man also eine Aussage der Form

Wenn eine Lösung durch den Punkt (x0,y0)(x_0,y_0) verläuft, so hat sie dort den Anstieg f(x0,y0)f(x_0,y_0).

machen. Visualisiert man diesen Anstieg an hinreichend vielen Punkten, so bekommt man einen guten Eindruck vom Verlauf der Lösungskurven.

Die Abbildung

(x,y)[1f(x,y)],(x,y)R2(x,y)\mapsto{\begin{bmatrix}1\\f(x,y)\end{bmatrix}},\quad (x,y)\in\bbR^2

heißt Richtungsfeld der Differentialgleichung.

6.4.2Umsetzung für Gleichungen

Geben uns im Rechteck [a,b]×[c,d][a,b]\times[c,d] für geeignet gewählte Stützstellenanzahlen nx,nyNn_x,n_y\in\bbN ein regelmäßiges Gitter von Punkten (xk,y,l)(x_k,y,l) mit

xk:=kbanx,k=0,,nx,yl:=lbany,l=0,,nyx_k:=k\,\frac{b-a}{n_x},\quad k=0,\ldots,n_x,\qquad y_l:=l\,\frac{b-a}{n_y},\quad l=0,\ldots,n_y

vor. An jedem Gitterpunkt wird der Vektor

[1f(xk,yl)]{\begin{bmatrix}1\\f(x_k,y_l)\end{bmatrix}}

gezeichnet.

Die Länge der Vektoren ist von untergeordnetem Interesse, da diese aus der Richtung folgt (je steiler der Vektor, das größer die Länge). Wichtig ist nur die Richtung der Vektoren, sodass man auch mit normierten Vektoren arbeiten kann.

In Python kann das Richtungsfeld leicht mit matplotlib.pyplot.quiver visualisiert werden. Die Länge der Vektoren wird so skaliert, dass die Darstellung übersichtlich bleibt.

<Figure size 640x480 with 1 Axes>

6.4.3Umsetzung für Systeme

Für ein explizites System aus zwei Differentialgleichungen

y1=F1(x,y1,y2),y2=F2(x,y1,y2){\begin{align} y_1'&=F_1(x,y_1,y_2),\\ y_2'&=F_2(x,y_1,y_2) \end{align}}

kann das Richtungsfeld im dreidimensionalen Raum dargestellt werden. Analog zum Vorgehen bei einer einzelnen Differentialgleichung wird hier jedem Punkt (x,y1,y2)R3(x,y_1,y_2)\in\bbR^3 der Vektor

[1F1(x,y1,y2)F2(x,y1,y2)]{\begin{bmatrix}1\\F_1(x,y_1,y_2)\\F_2(x,y_1,y_2)\end{bmatrix}}

zugeordnet. Die Lösungskurven folgen dann wieder der durch die Vektoren gegebenen “Strömung”.

Stellen das Richtungsfeld des Lotka-Volterra-Modells grafisch dar, um einen Eindruck vom Verhalten der Lösungskurven zu bekommen. Allerdings wird die dreidimensionale Darstellung meist sehr unübersichtlich.

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Beim Lotka-Volterra-Modell handelt es sich um ein autonomes System von Differentialgleichungen. Das Richtungsfeld ist bezüglich der Zeit also konstant, sodass die dritte Dimension (Zeitachse) kein zusätzlichen Informationen enthält. Der Verlauf der Lösungskurven kann deutlich übersichtlicher aus dem zweidimensionalen Richtungsfeld zur Zeit t=0t=0 (oder jeder anderen Zeit) entnommen werden. Dazu wird die Zeitkoordinate der Richtungen einfach ignoriert.

<Figure size 640x480 with 1 Axes>

Für autonome Systeme mit drei Gleichungen kann man eine entsprechende dreidimensionale Darstellung erstellen, die aber aufgrund der mangelhaften Übersichtlichkeit praktisch kaum relevant ist.