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Zerfallsprozesse und Wachstumsprozesse können durch gewöhnliche Differentialgleichungen beschrieben werden. Betrachten hier beispielhaft einen konkreten Zerfallsprozess.

4.5.1Problemstellung

Eine zum Zeitpunkt t=0t=0 vorhandene Masse m0m_0 eines Materials unterliege dem radioaktiven Zerfall. Zu jedem Zeitpunkt t0t\geq 0 ist die Masse m(t)m(t) des noch nicht zerfallenen Materials gesucht.

Dazu zunächst zwei Beobachtungen:

4.5.2Modell

Die Funktion m:[0,)Rm:[0,\infty)\to\bbR soll durch eine gewöhnliche Differentialgleichung mit Anfangsbedingung beschrieben werden.

Aus obigen Beobachtungen erhält man die Beziehung

m=cmm'=c\,m

(IDV 430). Dies ist eine homogene lineare Differentialgleichung erster Ordnung mit konstanten Koeffizienten, welche die gesuchte Funktion m:[0,)Rm:[0,\infty)\to\bbR beschreibt. Sie drückt aus, dass die Änderung mm' der Materialmenge stets proportional zur vorhandenen Materialmenge mm ist.

Zusätzlich ist eine Anfangsbedingung nötig:

m(0)=m0.m(0)=m_0.

4.5.3Untersuchung des Modells

Für c>0c>0 sind die Lösungen offensichtlich monoton wachsend, sonst monoton fallend. Die allgemeine Lösung ist

m(t)=aectm(t)=a\,\rme^{c\,t}

mit aRa\in\bbR. Einsetzen des Anfangswertes liefert

m(t)=m0ect.m(t)=m_0\,\rme^{c\,t}.