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4.1.1Partielle Ableitungen

Sei f:RnRf:\bbR^n\to\bbR eine Funktion von nn Veränderlichen x:=(x1,,xn)x:=(x_1,\ldots,x_n). Bezeichnen die zugehörigen ersten partiellen Ableitungen mit fx1,,fxnf_{x_1},\ldots,f_{x_n} oder (seltener) mit

x1f,,xnf.\frac{\partial}{\partial x_1}f,\ldots,\frac{\partial}{\partial x_n}f.

Der Vektor

f(x):=[fx1(x)fxn(x)]\nabla f(x):={\begin{bmatrix}f_{x_1}(x)\\\vdots\\f_{x_n}(x)\end{bmatrix}}

heißt Gradient von ff.

Ist rRn0r\in\bbR^n\setminus{0} ein Vektor mit r=1\|r\|=1, so ist

rf(x):=r1x1+rnxn\frac{\partial}{\partial r}f(x):=r_1\,x_1+\cdots r_n\,x_n

die Richtungsableitung von ff in Richtung rr an der Stelle xx.

Die Matrix

Hf(x):=[fx1x1fx1xnfxnx1fxnxn]Rn×nH_f(x):={\begin{bmatrix}f_{x_1x_1}&\cdots&f_{x_1x_n}\\\vdots&&\vdots\\f_{x_nx_1}&\cdots&f_{x_nx_n}\end{bmatrix}}\in\bbR^{n\times n}

der zweiten partiellen Ableitungen heißt Hesse-Matrix. Sie ist in allen praktisch relevanten Fällen symmetrisch.

Ist f:RnRmf:\bbR^n\to\bbR^m eine vektorwertige Funktion mit Komponentenfunktionen f1,,fmf_1,\ldots,f_m, also

f=[f1fm],f={\begin{bmatrix}f_1\\\vdots\\f_m\end{bmatrix}},

so bezeichnen wir mit

Jf(x):=[(f1)x1(f1)xn(fm)x1(fm)xn]Rm×nJ_f(x):={\begin{bmatrix}(f_1)_{x_1}&\cdots&(f_1)_{x_n}\\\vdots&&\vdots\\(f_m)_{x_1}&\cdots&(f_m)_{x_n}\end{bmatrix}}\in\bbR^{m\times n}

die Jacobi-Matrix zu ff an der Stelle xx. Die Zeilen der Jacobi-Matrix sind also gerade die Gradienten der Komponentengfunktionen.

4.1.2Differentialoperatoren

Gewisse Kombinationen von partiellen Ableitungen treten bei der mathematischen Modellierung von praktischen Fragestellungen besonders häufig auf und bekommen deshalb eine eigene Kurzschreibweise.

Sei f:R3R3f:\mathbb{R}^3\to\mathbb{R}^3 ein Vektorfeld. Definieren das Skalarfeld

(divf)(x,y,z):=xf1(x,y,z)+yf2(x,y,z)+zf3(x,y,z)(\mathrm{div}\,f)(x,y,z):=\frac{\partial}{\partial x}f_1(x,y,z)+\frac{\partial}{\partial y}f_2(x,y,z)+\frac{\partial}{\partial z}f_3(x,y,z)

(Divergenz von ff) und das Vektorfeld

(rotf)(x,y,z):=[yf3(x,y,z)zf2(x,y,z)zf1(x,y,z)xf3(x,y,z)xf2(x,y,z)yf1(x,y,z)]=[xyz]×[f1(x,y,z)f2(x,y,z)f3(x,y,z)](\mathrm{rot}\,f)(x,y,z):={\begin{bmatrix} \frac{\partial}{\partial y}f_3(x,y,z)-\frac{\partial}{\partial z}f_2(x,y,z)\\ \frac{\partial}{\partial z}f_1(x,y,z)-\frac{\partial}{\partial x}f_3(x,y,z)\\ \frac{\partial}{\partial x}f_2(x,y,z)-\frac{\partial}{\partial y}f_1(x,y,z) \end{bmatrix}} ={\begin{bmatrix} \frac{\partial}{\partial x}\\ \frac{\partial}{\partial y}\\ \frac{\partial}{\partial z} \end{bmatrix}}\times{\begin{bmatrix} f_1(x,y,z)\\ f_2(x,y,z)\\ f_3(x,y,z) \end{bmatrix}}

(Rotation von ff).

Die Divergenz kann als Quellendichte interpretiert werden. In einer Strömung gibt sie beispielsweise an, ob an einem Punkt Material zum durchströmenden Material hinzugefügt wird (positive Divergenz) oder ob Material entnommen wird (negative Divergenz). Siehe Divergenz eines Vektorfeldes, koordinatenfreie Darstellung für eine präzise Formulierung dieser Interpretation.

Die Rotation gibt Drehachse und Drehgeschwindigkeit eines in der Strömung mitschwimmenden Objekts an. Vektorfelder, deren Rotation überall Null ist, heißen wirbelfrei.

Für ein Skalarfeld f:R3Rf:\mathbb{R}^3\to\mathbb{R} setzen wir noch

(Δf)(x,y,z):=22xf(x,y,z)+22yf(x,y,z)+22zf(x,y,z)(\Delta\,f)(x,y,z):=\frac{\partial^2}{\partial^2 x}f(x,y,z)+\frac{\partial^2}{\partial^2 y}f(x,y,z)+\frac{\partial^2}{\partial^2 z}f(x,y,z)

(Laplace-Operator angewendet auf ff). Funktionen, die Δf(x,y,z)=0\Delta f(x,y,z)=0 für alle relevanten x,y,zx,y,z erfüllen, heißen harmonisch. Solche Funktionen treten in Physik und Technik in vielen verschiedenen Kontexten auf (Elektrostatik, Wärmeleitung, Elastizitätslehre,...).

Offensichtlich gilt

Δf(x,y,z)=divf(x,y,z)\Delta f(x,y,z)=\mathrm{div}\,\nabla f(x,y,z)

4.1.3Kurven

Eine Kurve KR3K\subseteq\bbR^3 im Raum ist eine Teilmenge des Raumes, die in der Form

K={(x(t),y(t),z(t)):  t[a,b]}K=\bigl\{\bigl(x(t),y(t),z(t)\bigr):\;t\in[a,b]\bigr\}

mit dem Parameterintervall [a,b][a,b] und den Koordinatenfunktionen

x:[a,b]R,y:[a,b]R,z:[a,b]Rx:[a,b]\to\bbR,\quad y:[a,b]\to\bbR,\quad z:[a,b]\to\bbR

geschrieben werden kann. Meistens entspricht das Parameterintervall einem Zeitintervall, sodass die Kurve jedem Zeitpunkt eine Position im Raum zuordnet.

Eine Kurve KK heißt differenzierbar, wenn die Koordinatenfunktionen differenzierbar sind. Der Vektor

[x(t)y(t)z(t)]{\begin{bmatrix}x'(t)\\y'(t)\\z'(t)\end{bmatrix}}

ist gerade der Tangentialvektor an die Kurve KK im Punkt (x(t),y(t),z(t))(x(t),y(t),z(t)). Beschreibt die Kurve die Position eines Teilchens im Laufe der Zeit, so entspricht der Tangentialvektor dem Geschwindigkeitsvektor (Richtung und Betrag). Der Vektor der zweiten Ableitungen kann dann als Beschleunigungsvektor (Richtung und Betrag) interpretiert werden.

4.1.4Flächen

Eine Fläche SR3S\subseteq\bbR^3 im Raum ist eine Teilmenge des Raumes, die in der Form

S={(x(u,v),y(u,v),z(u,v)):  u[a,b],v[v1(u),v2(u)]}S=\bigl\{\bigl(x(u,v),y(u,v),z(u,v)\bigr):\;u\in[a,b],\,v\in[v_1(u),v_2(u)]\bigr\}

mit den Parametern u,vu,v und den Koordinatenfunktionen x,y,zx,y,z geschrieben werden kann. Dabei können die Grenzen des Parameters vv von uu abhängen (IDV 405).

Sind die Koordinatenfunktionen differenzierbar, so kann man in jedem (x0,y0,z0)=(x(u0,v0),y(u0,v0),y(u0,v0))(x_0,y_0,z_0)=(x(u_0,v_0),y(u_0,v_0),y(u_0,v_0)) der Fläche eine Ebene mit gleicher Neigung wie die Fläche anlegen, die sogenannte Tangentialebene. Sie besteht aus allen Punkten (ξ,η,ζ)(\xi,\eta,\zeta) des Raumes, die folgende Gleichung erfüllen:

0=([xu(u0,v0)yu(u0,v0)zu(u0,v0)]×[xv(u0,v0)yv(u0,v0)zv(u0,v0)])T[ξx0ηy0ζz0].0=\left({\begin{bmatrix}x_u(u_0,v_0)\\y_u(u_0,v_0)\\z_u(u_0,v_0)\end{bmatrix}}\times{\begin{bmatrix}x_v(u_0,v_0)\\y_v(u_0,v_0)\\z_v(u_0,v_0)\end{bmatrix}}\right)^\rmT\,{\begin{bmatrix}\xi-x_0\\\eta-y_0\\\zeta-z_0\end{bmatrix}}.

Der Vektor

[xu(u0,v0)yu(u0,v0)zu(u0,v0)]×[xv(u0,v0)yv(u0,v0)zv(u0,v0)]{\begin{bmatrix}x_u(u_0,v_0)\\y_u(u_0,v_0)\\z_u(u_0,v_0)\end{bmatrix}}\times{\begin{bmatrix}x_v(u_0,v_0)\\y_v(u_0,v_0)\\z_v(u_0,v_0)\end{bmatrix}}

steht senkrecht auf der Tangentialebene und damit auch senkrecht auf der Fläche. Er wird Normalenvektor genannt. Jedes Vielfache dieses Vektors ist ebenfalls ein Normalenvektor.

Um eine gewisse Eindeutigkeit des Normalenvektors zu erreichen, verwendet man üblicherweise Normalenvektoren der Länge 1. Dann gibt es nur noch zwei Möglichkeiten diesen zu wählen. Beide unterscheiden sich nur im Vorzeichen. Welchen der beiden man für gewisse Zwecke (siehe später) wählt, ist egal. Jedoch muss man darauf achten, dass man in jedem Punkt der Fläche die gleiche Richtung für den Normalenvektor wählt, also alle Normalenvektoren auf der gleichen Seite der Fläche liegen.

Allerdings gibt es Flächen, bei denen man die Normalenvektoren nicht in einheitlicher Richtung wählen kann, z.B. das Möbiusband. Solche Flächen heißen nicht orientierbar. Wir betrachten stets nur orientierbare Flächen. Sind die Koordinatenfunktionen stetig (!) differenzierbar und gilt

[xu(u,v)yu(u,v)zu(u,v)]×[xv(u,v)yv(u,v)zv(u,v)][000]fu¨r alle u,v,{\begin{bmatrix}x_u(u,v)\\y_u(u,v)\\z_u(u,v)\end{bmatrix}}\times{\begin{bmatrix}x_v(u,v)\\y_v(u,v)\\z_v(u,v)\end{bmatrix}}\neq{\begin{bmatrix}0\\0\\0\end{bmatrix}}\qquad\text{für alle }u, v,

so ist die Fläche orientierbar.