2.2 Teilmengen und Mengengleichheit

Mengengleichheit

Ob zwei Mengen gleich sind oder eine Menge in einer anderen enthalten ist, wird ausschließlich über ihre Elemente entschieden.

Definition 2.4 (Gleichheit und Teilmenge). Seien \(A\) und \(B\) Mengen.

  • Gleichheit: \(A=B\), falls für jedes \(x\) gilt \(x\in A\Longleftrightarrow x\in B\).
  • Teilmenge: \(A\subseteq B\), falls für jedes \(x\) gilt \(x\in A\Longrightarrow x\in B\).
  • Echte Teilmenge: \(A\subsetneq B\), falls \(A\subseteq B\) und \(A\ne B\).

Insbesondere gelten immer \(\emptyset\subseteq A\) und \(A\subseteq A\). Um die Mehrdeutigkeit des Symbols \(\subset\) zu vermeiden, verwenden wir im Kurs konsequent \(\subseteq\) für „Teilmenge“ und \(\subsetneq\) für „echte Teilmenge“.

Gleichheit beweisen

Für Mengengleichheiten gibt es eine verlässliche Beweisstrategie, die wir in späteren Kapiteln häufig wiederverwenden.

Satz 2.1 (Beidseitige Inklusion). Für beliebige Mengen \(A\) und \(B\) gilt

\[A=B\quad\Longleftrightarrow\quad (A\subseteq B)\ \wedge\ (B\subseteq A).\]

Zum Beweis einer Gleichheit zeigt man daher nacheinander beide Inklusionen:

  1. Wähle ein beliebiges \(x\in A\) und zeige \(x\in B\).
  2. Wähle ein beliebiges \(x\in B\) und zeige \(x\in A\).

Das folgende Beispiel zeigt, wie sich eine beschreibende und eine parametrisierte Darstellung als dieselbe Menge nachweisen lassen.

Beispiel: Die Menge der ungeraden ganzen Zahlen

Es seien

\[A=\{n\in\mathbb Z\mid n\text{ ist ungerade}\}, \qquad B=\{2k+1\mid k\in\mathbb Z\}.\]

Zeigen Sie \(A=B\).

Inklusion \(A\subseteq B\): Sei \(n\in A\). Weil \(n\) ungerade ist, gibt es nach der Definition eine ganze Zahl \(k\) mit \(n=2k+1\). Somit ist \(n\in B\).

Inklusion \(B\subseteq A\): Sei \(n\in B\). Dann existiert ein \(k\in\mathbb Z\) mit \(n=2k+1\). Also ist \(n\) ungerade und damit \(n\in A\).

Beide Inklusionen zusammen ergeben \(A=B\).

Die Potenzmenge

Mit der Potenzmenge wird aus allen Teilmengen einer Menge wieder ein neues mathematisches Objekt.

Definition 2.5 (Potenzmenge). Die Potenzmenge einer Menge \(A\) ist die Menge aller Teilmengen von \(A\):

\[\mathcal P(A)=\{B\mid B\subseteq A\}.\]

Die Potenzmenge erhält man, indem man alle möglichen Auswahlen von Elementen zusammenstellt.

Beispiel: Potenzmenge einer dreielementigen Menge

Bestimmen Sie \(\mathcal P(\{a,b,c\})\).

\[ \mathcal P(\{a,b,c\})= \{\emptyset,\{a\},\{b\},\{c\},\{a,b\},\{a,c\},\{b,c\},\{a,b,c\}\}. \]

Die Potenzmenge besitzt \(2^3=8\) Elemente.

Zusammenfassung

  • \(x\in A\) beschreibt eine Elementbeziehung, \(B\subseteq A\) eine Teilmengenbeziehung.
  • Zwei Mengen sind genau dann gleich, wenn sie dieselben Elemente besitzen.
  • Mengengleichheiten werden häufig durch die beiden Inklusionen \(A\subseteq B\) und \(B\subseteq A\) bewiesen.
  • Die Potenzmenge \(\mathcal P(A)\) enthält alle Teilmengen von \(A\).